Sammler und Liebhaber von Objets de Vertu finden im Schloss Ahlden eine umfassende Offerte an feinen Kleinoden. Das Angebot reicht von Schnupftabakdosen, Pillendöschen, Riechfläschchen und Spazierstöcken bis hin zu kleinen Kuriositäten oder Miniaturporträts. Dabei steht insbesondere die Exklusivität der verarbeiteten Materialien und des Handwerks im Vordergrund, die ein großes Können und Fertigkeit seitens des Herstellers zeigen. Kostbarste Materialien wie Emaille, Edelsteine, Perlen sowie Edelmetalle wurden so kunstvoll in Szene gesetzt.
Ein besonderes Highlight unter den Objets de Vertu war eine exquisite und kunstvoll gearbeitete Louis XV-Gold-Tabatiere von Claude Perron mit Chinoiserien aus verschiedenfarbigem Perlmutter, die 1768-1774 in Paris entstand (Erlös 157.000 Euro). Objekte des um 1750-1777 tätigen Meisters befinden sich u. a. in der Thyssen-Bornemisza Collection und im Metropolitan Museum of Art in New York. In gleicher Technik und ebenso kunsthandwerklich meisterhaft führte mit allegorischen Szenen von Thomas-Pierre Breton, der mit Vergleichsstücken auch im Louvre in Paris und in der Wallace-Collection in London vertreten ist, um 1744 eine museale, höfische Louis XV-Gold-Perlmutter-Tabatiere aus. Diese stammte aus einer Kollektion von Golddosen des 18. Jahrhunderts in der der über Generationen gewachsenen und bedeutenden Sammlung der Frankfurter Bankiersfamilie von Bethmann (Erlös 65.000 Euro). Johann Christian Neuber (1736 – 1808) schuf seit 1762 in Dresden als Hofjuwelier außer Mobiliar mit Steineinlagen für das Grüne Gewölbe insbesondere vornehmlich höchst qualitätvolle Steindosen mit Silber- und Goldmontierungen aus, die insbesondere als Geschenke des Kurfürsten- und Königshofes vergeben wurden. Hierzu gehörte wahrscheinlich auch eine 1765 datierte kleine Malachit-Dose Neubers mit Goldmontierung (Erlös 35.000 Euro).
Begehrte Luxusartikel des Adels waren im Rokoko, der Epoche der Könige Ludwig XV. und Ludwig XVI., außer Pariser Golddosen nicht zuletzt exquisit bemalte Tabatieren aus der Meissener Porzellanmanufaktur. Ein frühes Bespiel ist eine um 1730 entstandene Tabatiere mit Kauffahrteiszenen, gemalt von Johann Georg Heintze (Erlös 22.500 Euro). Die Siege Friedrich II. von Preußen in den ersten zwei Schlesischen Kriegen (1740-1742 und 1744/45) ließ die Nachfrage außer nach Gemälde auch nach kleinen Dingen wie Dosen mit Bildnissen des Königs steigen, die man zudem elegant mit sich führen konnte wie eine silbermontierte Meissen-Tabatiere mit seinem Porträt und Bataillen-Szenen aus der Zeit um 1745 (Erlös 12.500 Euro). Zur gleichen Zeit entstand eine Meissen Tabatiere mit sächsischen Schlossansichten, u.a. das Jagdschloss Hubertusburg, die Festung Königstein, die imposante Albrechtsburg in Meißen und Schloss Pillnitz an der Elbe bei Dresden darstellend (Erlös 24.000 Euro).
Bei anderen Dosen ist es die herausragende Provenienz aus dem Besitz historisch bedeutender Persönlichkeiten oder Herrschern, die sie zusätzlich zu begehrten Sammlerstücken werden lassen. Hierzu zählt eine historisch bedeutende Gold-Tabatiere mit dem Porträt König Leopold II. von Belgien (1835 - 1909), aus dem Besitz seines Schwiegersohns Kronprinz Rudolf von Österreich-Ungarn (1858 – 1889). Rund 100 Jahre später wurde für den passionierten Raucher Helmut Schmidt (1918 – 2015) eine goldene Zigarettenschatulle mit einer Widmung des Bundespräsidenten Walter Scheel (1919 – 2016) angefertigt, die Scheel dem Bundeskanzler 1978 als Staatsgeschenk anlässlich seines 60. Geburtstages überreichte und die aus dem Nachlass Schmidts stammte (Erlös 54.000 Euro).
Zu den bedeutenden norddeutschen Herstellern von Objets de Vertu im Empire und Biedermeier zählte die Manufaktur Stobwasser in Braunschweig, die sich auf Lackmalereien für Dosen spezialisierte. Zu den raren Stobwasser-Objekten gehören Dosen mit Porträts von Persönlichkeiten wie auf einer selten großen Tabakdose aus der Zeit um 1840 mit dem Brustbildnis von Friedrich August, Prinz von Großbritannien und Irland, Herzog von York und Albany, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, letzter Fürstbischof des Hochstifts Osnabrück und britischer Feldmarschall (Erlös 14.000 Euro).
Spazierstöcke gehörten seit dem Barock zu den zu den eleganten Accessoires eines eleganten, adeligen oder vermögenden Herren und erhielten daher außer schlichten Griffen oft auch solche aus edlen Materialien, Silber und Porzellan zuweilen in plastischer Form. In seiner Form heute selten außergewöhnlich ist ein Meissener Porzellanknauf für einen Spazierstock in Gestalt eines Mopskopfes aus der Zeit um 1745. Die Darstellung von Mopsköpfen fanden nicht nur als Knäufe für Spazierstöcke, sondern auch für Tabatieren Verwendung, gehörten im 18. Jh. zu einer der beliebtesten Galanterien (Erlös 5.600 Euro).
Porträtminiaturen gab es zwar schon in der Renaissance und Barock, erlebten ihre Hochphase aber erst Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts. Sie hoben sich durch besondere Herstellungstechniken, spezielle Rahmungen oder Einfassungen und die fein gemalten, teilweise sehr intimen Darstellungen von Geliebten, Kindern und Ehepartnern aber auch durch Darstellungen von Königen und Aristokraten, Szenen aus bekannten Gemälden oder historisch bedeutender Ereignisse hervor. Zu den frühesten Stücken unserer Offerte gehören eine kleine Bildnisminiatur Königin Elisabeth I. von England aus der Zeit um 1580 (Erlös 2.500 Euro) und ein spanisches Brustbildnis des 17. Jahrhunderts von Isabella von Bourbon als Königin von Spanien und Portugal in zeitgenössischer, perlenbesetzter Kleidung mit breitem Kragen (Erlös 4.000 Euro). Aus einer kleinen, aber feinen Sammlung kamen ein Miniaturporträt von Friedrich VI. Landgraf von Hessen-Homburg aus dem Jahr 1818 (Erlös 7.500 Euro) sowie ein Rokoko-Bildnis von Charlotte Mathilde von Württemberg (Erlös 5.250 Euro) zum Aufruf.