KOMMENDE AUKTION : Mittwoch, 6 Mai 2026 WEITERE INFORMATIONEN

STARTSEITE EXPERTISE

Europäische Porzellane

Auf dem Gebiet des Europäischen Porzellans konnte Schloss Ahlden maßgeblich zur Marktentwicklung beitragen und gerade bei frühen Stücken aus Meissen kontinuierlich weiterentwickeln. Dies belegen zahlreiche von Johann Joachim Kaendler modellierte Figurinen, die seine meisterhafte, bildhauerische Begabung in der äußerst lebendigen Schilderung zum Ausdruck bringen. Darunter seien zwei außergewöhnliche um 1745 modellierte Feldhasen (Erlös 55.000 Euro) erwähnt, aber auch ein äußerst seltener, zur gleichen Zeit entstandener Dudelsackspieler (Erlös 32.000 Euro) und eine Dame am Spinett mit Kavalier (Erlös 50.000 Euro), die zu den sog. Krinolinengruppen zählt, eine Reihe von Kabinettstücken, in denen Kaendler höfische Edeldamen in weiten Reifröcken mit charmanten Kavalieren szenisch zu vollplastischen Liebesgruppen arrangiert. Derartige Darstellungen wurden im 18. Jh., in dem Liebesheiraten zur Ausnahme gehörten, zum Sinnbild für Sehnsuchtsallegorien, die nur im privaten Bereich repräsentiert wurden.

Barocke, hocharistokratische Tischkultur wird besonders durch das prunkvolle, Meissner Schwanenservice repräsentiert, das 1737-1742 für den sächsischen Staatsmann Heinrich Graf von Brühl angefertigt wurde. Besonders gefragt unter Sammlern war ein Teller in einer sehr frühen Ausführung aus einer ersten Lieferung von 1737/38 (Erlös 26.000 Euro). Als Tafelaufsatz modellierte Johann Joachim Kaendler 1760-62 die Figurengruppe „Omphale und Herkules mit Amor“ (Erlös 38.500 Euro) im Auftrag König Friedrich II. von Preußen. Entscheidend war auch die Provenienz von zwei musealen Zierschalen mit sog. Imari-Dekor aus der Zeit um 1730. Die musealen Porzellane befanden sich einst in der berühmten Sammlung König August des Starken und erzielten rekordverdächtige Ergebnisse von 31.000 bzw. 27.500 Euro. Meissner Chinoiserie-Porzellane erfreuen sich unter Sammlern großer Beliebtheit, besonders Objekte mit Kakiemon- und Hoeroldt-Dekoren. Außergewöhnliche Beachtung konnten zwei museale "Augustus Rex"-Vasen mit Hoeroldt-Chinoiserien bzw. Fabeltierdekor von Adam Friedrich von Löwenfinck aus der Zeit um 1730-1735 mit Erlösen von 37.000 bzw. 32.500 Euro erzielen, aber auch eine repräsentative Vase in Gu-Form mit Chinoiserien und Indianischem Blumendekor aus dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts brachte 62.000 Euro. Aus der Frühzeit der Manufaktur um 1720 stammte eine Böttger-Porzellan-Tischglocke mit Hoeroldt-Chinoiserien (Erlös 30.000 Euro).

Aber nicht nur die frühen Stücke der Meissner Manufaktur sind in Sammlerkreisen beliebt, auch Ausformungen und Entwürfe des 19. und des 20. Jhs. konnten preissteigernd den Besitzer wechseln. Darunter die einzigartige, monumentale Prunkvase „Blütezeit Frankreichs“ für Ludwig XV. nach einem Entwurf von Johann Joachim Kaendler aus dem Jahr 1741, ausgeführt in der 2. Hälfte des 19. Jhs. (Erlös 100.000 Euro). Zwei museale Meissner Prunkvasen mit szenischen Staffagen aus Werken von Moritz von Schwind erzielten jeweils einen Erlös von 100.000 Euro und gehen auf Entwürfe des Modelleurs Ernst August Leuteritz zurück, durch dessen Anregung auch die aus Frankreich stammende, sog. Limogesmalerei 1865 erstmals in Meissen ausgeführt und 1867 auf der Weltausstellung in Paris präsentiert wurde. Eine Kollektion feiner Meissner Porzellane in dieser speziellen hochkarätigen Technik errangen einen herausragenden Erlös von zusammen 361.000 Euro. Eine imposante Neorokoko-Prunkpendule, um 1900 modelliert nach einem Entwurf von Paul Helmig, konnte für 50.000 Euro veräußert werden.

Unter den Objekten moderner Meissner Porzellankunst ragte die monumentale, 620 cm breite Wandgestaltung "Blumenimpressionen" von Heinz Werner (1928 – 2019) heraus, der als Maler, Grafiker und Porzellan-Künstler zu den prägenden Dekorgestaltern der Meissener Manufaktur in der 2. Hälfte des 20. Jhs. zählte. Das zusammen mit seinem Kollegen Horst Bretschneider 1994 ausgeführte Unikat konnte seinen Schätzpreis fast verdreifachen und wurde von einem deutschen Hotelier für 35.000 Euro erworben.

Wie die Porzellanmanufaktur Meissen blickt auch die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin auf eine über 250-jährige Historie und Tradition zurück. Friedrich II. von Preußen gründete die Manufaktur und gab ihr nicht nur den Namen und sein Zeichen, das königliche Zepter, sondern war auch selbst sein bester Kunde. Für seine Schlößer gab Friedrich Service und kunstvolle Tafelaufsätze in Auftrag und auch Staatsgeschenke kamen häufig aus der Manufaktur. So auch eine um 1785 modellierte, museale königliche „Weimar-Vase“ mit Porträt der Kronprinzessin Friederike Luise von Preußen als Geschenk an sie von Friedrich dem Großen (Erlös 53.000 Euro).

Nach Friedrichs Tod übernimmt 1786 Friedrich Wilhelm II. die KPM Berlin und gestalterisch prägen fortan Karl Friedrich Schinkel, Johann Gottfried Schadow und Christian Daniel Rauch die Porzellane. Aus dieser Ära stammt ein 1823-1832 modelliertes, dreiteiliges Bildnisvasen-Ensemble mit Szenen nach dem Gedicht „Lalla Rookh“ von Thomas Moore, das aus dem Besitz der Königin Elisabeth von Rumänien, geb. Prinzessin zu Wied, als Dichterin „Carmen Sylva“, stammte (Erlös 181.000 Euro). Aus dem Besitz der Familie von Jagow stammt die monumentale, als Unikat mit aufwändigen Soldatenszenen aus dem Leben des Generals Friedrich Wilhelm Christian Ludwig von Jagow und korrespondierenden Architekturmotiven bemalte Vase (Erlös 50.000 Euro), die ebendiesem 1836 als Geschenk zu seinem 50-jährigen Dienstjubiläum und zeitgleich Abschied aus dem Militärdienst von König Friedrich Wilhelm III. überreicht wurde.

Ein Höhepunkt in der modernen Porzellankunst der 1920er Jahre war der von Hugo Meisel und Arthur Storch geschaffene Zyklus von insgesamt 16 Art Déco-Großplastiken mit Tierfiguren bzw. Fabeltieren, die 1920/21 für die plastische Ausschmückung des „Porzellan-Palais“ in Leipzig geschaffen und von der Aeltesten Volkstedter Porzellanmanufaktur ausgeführt wurden. Hierzu gehörte auch das museale Pendant „Höllenhund“ und „Buddhistischer Löwe“ von Storch, das 1922 auf der legendären Deutschen Gewerbeschau in München zu sehen war und 1928 zur luxuriösen Ausstattung des berühmten Schnelldampfers „Bremen“ des "Norddeutschen Lloyd" gehörte und für zusammen 62.500 Euro veräußert werden konnte.

Deutsche Porzellanmanufakturen wie Meissen erfreuten sich aufgrund ihrer exquisiten Entwürfe in meisterlicher Ausführung schon früh großer Beliebtheit an den führenden, europäischen Königshöfen und wurden daher teuer exportiert. U. a. vergab Katharina die Große zur Repräsentation des russischen Zarenreichs eine Reihe von Aufträgen an die Meissner Manufaktur. 1766 gründete dann der britisch-russische Unternehmer Francis Jacob Gardener die erste private Porzellanmanufaktur Russlands, die Manufaktur Gardner, in der mehrere in Meissen ausgebildete Mitarbeiter tätig waren. 1780-1790 entstand ebendort ein aufwendig ausgeführter, prachtvoller Tafelaufsatz aus dem Spätbarock im Auftrag der russischen Zarin (Erlös 56.000 Euro), dessen Gesamtkonzeption auf Meissner Entwürfe zurückgeht.

Image
Image

Lovis Kellner

Experte

Europäisches Porzellan
info@schloss-ahlden.de | +49 5164 8010 226

Unverbindliche Schätzungen

Sie besitzen Porzellanobjekte und möchten diese auf einer Auktion anbieten oder unverbindlich schätzen lassen?

Stellen Sie hier Ihre Schätzanfrage, die innerhalb von drei Werktagen von unseren langjährigen Spezialisten bearbeitet wird. 

Gerne können Sie uns auch Fotos und Unterlagen von den zur Disposition stehenden Objekten an info@schloss-ahlden.de oder per Post zukommen lassen.
Image