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Bücher, Karten & Manuskripte

Die Sparte Landkarten, Bücher, Manuskripte und Autographen umfasst eines der weitesten in unserem Auktionsangebot, zugleich aber auch spannendsten, da es Literatur, Kunst, Wissenschaft, Kartographie, Herrschaftsgeschichte, Geschichte der Entdeckungen und Biographien unterschiedlichster Persönlichkeiten seit dem späten Mittelalter bis in die Gegenwart verbindet.

Vor Erfindung und Verbreitung des modernen Buchdrucks seit Mitte des 15. Jahrhunderts wurden Bücher höchst aufwendig und kostbar per Hand meist auf Pergament geschrieben, zuweilen mit kunstvollen Illuminationen versehen. Einen künstlerischen Höhepunkt erlebte die Buchmalerei allerdings noch in der Spätgotik in Frankreich. Ein besonders schönes Beispiel spiegelt ein wohl im Herzogtum Burgund entstandenes, auf Pergament ausgeführtes Einzelblatt mit der Darstellung von König David und Batseba im Bade wider, das höchstwahrscheinlich aus einem sog. Stundenbuch stammte (Erlös 5.000 Euro).
Wesentlichen Anteil am Erfolg Martin Luthers und der Durchsetzung der Reformation hatte wiederum der Buchdruck. 1534 erschien in Wittenberg erstmals die komplette Luther-Bibel. Lucas Cranach der Jüngere schuf wenige Jahre später die ganzseitigen Illustrationen für eine 1541 durch Nicolaus Wolrab in Leipzig gedruckte Luther-Bibel, wegen der Seltenheit erlöste ein Exemplar dieser Bibel trotz deutlicher Erhaltungsmängel und Restaurierungen 9.500 Euro.
2020 versteigerte Schloss Ahlden die umfassende Kochbuchsammlung von Hans Joachim Große Gorgemann, deren heute rare Titel die Entwicklung der Kochkunst von der Renaissance bis in die die Zeit um 1900 widerspiegelten (Gesamterlös 25.000 Euro). Ein Highlight dieser Sammlung war das überaus reich illustrierte, 1719 in Augsburg erschienene „Neues Saltzburgisches Koch-Buch", von Conrad Hagger (Erlös 4.900 Euro).
Ein Buchprojekt sondergleichen des Kupferstechers und Verlegers Matthäus Merian war seine seit 1642 in über 16 Bänden erschienene „Topographia Germaniae“ mit mehr als 2.000 Ansichten aus dem Heiligen Römischen Reich, das bis heute als eines der wichtigsten Werke der geografischen Illustration gilt. Meist wurden die Bände im Laufe der Jahrhunderte wegen ihrer dekorativen Veduten aufgeteilt, sodass vollständige Exemplare heute selten geworden sind wie der Einzelband über Sachsen, Meißen, Thüringen und die Lausitz von 1650 (Erlös 3.800 Euro).
Eines der schönsten und bedeutendsten Illustrationswerke der Botanik ist das „Herbarium Blackwellianum“, das 1750-1773 in Nürnberg erschien. 200 Jahre im Besitz einer Apothekerfamilie erlösten die ersten drei von insgesamt sechs Bänden beachtliche 3.200 Euro.

Theodor Fontanes „Effi Briest" ist eines der wenigen Werke, zu denen ein Künstler ersten Ranges kongeniale Illustrationen schuf - nämlich Max Liebermann. Er steuerte 21 Lithographien für eine 1926/27 erschienene, in limitierter Auflage von 325 Exemplaren erschienene Luxus-Ausgabe bei (Erlös 2.400 Euro).

Alte Landkarten spiegeln mitnichten trockene Topographie, Geographie, Kartographie wider, sondern eröffnen bei genauerer Betrachtung durchaus spannende Kapitel der Geschichte, der Entdeckungen, des Kolonialismus und Europäischer Vorstellungen von fremden Ländern. Zu den seltensten, bedeutendsten und international begehrtesten Karten des 17. Jahrhunderts zählt die "Carte du Royaume de Siam et des Pays Circonvoisins". 1686 in Paris gedruckt, zeigt die Karte Südostasien mit dem heutigen Königreich Thailand, Singapur, Sumatra und Malaysia und eine durch Elefanten verzierte Titelkartusche. Sie entstand im engen historischen Zusammenhang mit einer Reise einer französischen Delegation nach Siam und einer 1686/87 in Paris residierenden Gesandtschaft Siams (Erlös 17.000 Euro).

Höchst faszinierend und zugleich dekorativ sind Karten exotischer Länder aus der Zeit um 1600, als Spanier, Portugiesen und Niederländer mit Ihren Schiffen um die Welt nach Amerika und bis nach Japan, China sowie Australien fuhren. Zum Zentrum der europäischen Kartographie wurde um 1580 im Zuge des Handels und der niederländischen Kolonien in Ostindien Amsterdam. Kartographische Erzeugnisse wie Atlanten, Globen, Wand- und Seekarten waren hierbei nicht nur Hilfsmittel für Seefahrer, Kaufleute und Wissenschaftler, sondern wurden zunehmend auch zum Interessengegenstand für Wohlhabende. Seit Ende des 16. Jahrhunderts hatten niederländische Verleger, Kartographen und Kupferstecher Firmen für über 150 Jahre fast ein Weltmonopol für die Produktion und den Vertrieb von Karten und Atlanten, die durch Veröffentlichung in mehrere Sprachen noch weitere Verbreitung fanden. Aus einer großen Kartensammlung stammte eine Kollektion von 1584-um 1600 in Amsterdam publizierten, frühen, gesuchten Renaissance-Karten von Südamerika, dem Indischen Ozean, China und Japan mit fantasiereicher, figürlicher Staffage, die außer Schiffen und Seeungeheuern auch dortige Tiere, Indigene und sogar Kannibalen wiedergibt (Erlöse 2.200 bis 4.300 Euro).

 

Kaum ein Gebiet ermöglicht es dem Sammler bedeutenden Persönlichkeiten aus Geistes- und Kulturgeschichte, Literatur oder auch Politik und Herrschern näher zu kommen als Autographen, seien es einfache Unterschriften oder auch längere Briefe.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) war nicht nur Dichterfürst, passionierter Naturforscher, Geheimrat, sondern auch Staatsmann und Minister. Kurz nachdem der junge Goethe 1775 in das kleine Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach kam, wurde ihm auch der Bergbau und die 1777 gegründete sog. „Bergbau-Commission unterstellt. In dieser Funktion musste er 1791 auch eine gedruckte Quittung der „Bergbau-Commission“ unterschreiben (Erlös 4.100 Euro).
Auch Goethe zählte zu den größten Bewunderern von Alexander von Humboldt (1769 – 1859) – Naturforscher, Forschungsreisender, Universalgenie und Kosmopolit, Gelehrter und Mäzen. Humboldt gilt als einer der produktivsten Briefschreiber nicht nur seiner Zeit, außer an Goethe schrieb er insgesamt mindestens 30.000 Briefe an eine Vielzahl unterschiedlichster Persönlichkeiten. 1843 verfasste er einen Brief an den Verleger und Politiker Johann Georg von Cotta (1796 - 1863), 1855 folgte ein Brief an den persönlichen Bibliothekar König Friedrich Wilhelm IV. - Dr. Charles Duvinage (1804 – 1871) -, beide erlösten jeweils 2.900 Euro.

Ein Zeitgenosse Goethes und Humboldts, zugleich einer der bedeutendsten, einflussreichsten und umstrittensten Diplomaten, Politiker und Staatsmänner in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts war Klemens Wenzel Lothar Graf (ab 1813 Fürst) von Metternich (1773 – 1859), 1809-1848 Außenminister, leitender Minister und Staatskanzler des Kaisertums Österreich. Für seinen aus Paris stammenden Koch, der ihm 30 Monate gedient hatte, verfasste er 1811 ein Empfehlungsschreiben in Französisch (Erlös 3.200 Euro).
Direkt fassbar wird europäische Geschichte durch zwei Autographen für Alexander Graf von Unruh (1726 - 1806). Der legendäre letzte polnische König Stanislaus II. August Poniatowski (1732 – 1798) stellte 1774 eine Urkunde für den Grafen aus, der u. a. als Generalmünzdirektor des Königreichs Polen und Vizepräsident des Kriegsrates eine bedeutende Rolle einnahm (Erlös 9.500 Euro). Nach der letzten 3. Teilung Polens im Jahr 1795 durch Österreich, Preußen und Russland unterstand Alexander Graf von Unruh mit dessen Schloss und Herrschaft in Karge (Unruhstadt) jedoch König Friedrich Wilhelm III. von Preußen (1770 - 1840), so dass dieser 1797 ihm ein neues, aufwendig gestaltetes Grafendiplom mit Verleihungsurkunde ausstellte (Erlös 6.800 Euro).
Während einfache Unterschriften Wilhelm II. (1859 – 1941) als Deutscher Kaiser häufig sind, gehören andere Autographen zu den Seltenheiten. Während des I. Weltkriegs ließ sich der Kaiser 1916 in feldgrauer Uniform ablichten und schenkte die Fotografie in kaiserlichem Original-Geschenkbilderrahmen General Paul von Hoepfner (1849 – 1924), der 1900/01 am China-Feldzug und Niederschlagung des Boxeraufstandes teilgenommen hatte. (Erlös 3.000 Euro).
Im allergrößten Gegensatz zu Wilhelm II. stand der Schriftsteller, Dichter, Maler und Nobelpreisträger Hermann Hesse (1877 – 1962), der bereits 1912 das wilhelminische Deutschland verlassen hatte und sich in der Schweiz zum entschiedenen Kriegsgegner entwickelte. Eine Spezialität Hesses waren von ihm selbst durch Aquarelle illustrierte Gedichte wie ein 1930 verfasstes Gedichtblatt mit einem umseitigen, von Paul Klee, August Macke und Louis Moilliet beeinflussten Landschaftsaquarell (Erlös 3.000 Euro).

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Dr. Andreas Heger

Experte

Bücher, Karten & Manuskripte
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